Festrede zur 825 Jahr Feier

Festrede zur Festveranstaltung 825 Jahre Dobbrikow

liebe Dobbrikower, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Bürgermeisterin, 

ich darf Euch und Sie zur Festveranstaltung anlässlich des 825-jährigen Jubiläums unseres schönen Ortes Dobbrikow recht herzlich begrüßen.

Das Motto unserer Jubiläumsfeier könnte lauten: „Man muss die Feste feiern wie sie fallen.“ Und wahrlich: Dobbrikow hat sich zumindest in den letzten 75 Jahren keine Gelegenheiten entgehen lassen, große Feste zu feiern. Wer erinnert sich nicht gerne an die fast schon legendäre 800-Jahrfeier von 1989. Und die Älteren unter uns an die Feier von 1964. Und mag es auch eine schriftliche Ersterwähnung aus grauen Vorzeiten geben, die Dobbrikower lassen sich in ihrem 25-jährigen Jubiläumsrhythmus nicht aus dem Takt bringen. Denn bei einem Jubiläum, wie es Dobbrikow feiert, geht es ja nicht nur um Erkenntnisse der Geschichtsforschung – im Gegenteil: für den Historiker ist das Datum der Ersterwähnung allein von keiner wesentlichen Bedeutung, denn es sagt ja nichts über das tatsächliche Alter des Dorfes aus. Und so diktieren sich die Dobbrikower das 825-jährige Jubiläum ihres Bestehens selber. Man kann es drehen und wenden wie man will, die Feiern im letzten Jahrhundert haben tiefe Spuren im Gedächtnis des Ortes hinterlassen und selbst eine Tradition begründet. Und so wundert es nicht, dass sich der machtvolle Wille, diese Tradition fortzusetzen, durchgesetzt hat.

Vor allem geht es darum, dass ein solches Jubiläum einen Anlass gibt, einmal inne zu halten und sich zu besinnen: auf die Geschichte des Dorfes, auf die schweren und guten Zeiten, die seine Bewohnerinnen und Bewohner erlebt haben, und darauf, wie das Dorf zu dem geworden ist, was es heute ist. Und diese Besinnung, dieses Durchatmen bietet Grund zum Feiern: aus Dankbarkeit, aus Freude und aus Liebe zum Heimatort.

Dass sich eine Dorfgemeinschaft in Zeiten voller Umbrüche aufmacht, ihre Verbundenheit und Heimatliebe zu demonstrieren, ist aller Achtung wert. Traditionspflege ist ein schönes Anliegen, es mit Leben zu erfüllen umso schwerer. Tradition muss heute mühsam neu gedacht und neu gelebt werden, wenn sie nicht als angestaubt gelten will. Was hat denn heute noch Bestand, was gestern als unumstößlich galt?

2014 ist ein geschichtsträchtiges Jahr. Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg und vor 25 Jahren ging die DDR unter. Mit der politischen Wende von 1989 und den daraus folgenden gesellschaftlichen und persönlichen Umbrüchen  wehte der Wind der Veränderungen auch durch Dobbrikow. Vor 25 Jahren verzeichnete das Genossenschaftsregister der LPG noch 178 Mitglieder. Das Dorf lebte überwiegend von der Landwirtschaft. Wir hatten einen Konsum, einen Kindergarten,  eine Poststelle, Schwester Helga, einen Bürgermeister und einen Pfarrer. Was ist davon übrig geblieben? Mit hohem Einsatz und persönlichem Engagement ist es heute gelungen, das Mehrzweckgebäude, den Sportplatz und die Festbühne in ihrer Substanz zu erhalten.  Dennoch sind viele mühsam aufgebaute Strukturen die das dörfliche Leben in der DDR ausgemacht hatten, nach der Wende weggebrochen. Der größte Arbeitgeber im Ort musste umstrukturieren und konnte die Dobbrikower Familien nicht mehr ernähren. Die neue Mobilität brachte es mit sich, dass viele Töchter und Söhne in die Ferne zogen, um ihr Auskommen zu sichern.  Aber ein großer Teil ist auch hiergeblieben bzw. wieder zurückgekehrt. In einer beispiellosen Anpassungsleistung haben die Dobbrikower die neuen Anforderungen gemeistert. Mit dem Generationenwechsel vollzog sich auch ein Wandel vom LPG-Bauern zum Handwerker und Dienstleister. Das wirtschaftliche Rückgrat bilden heute mehr als 40 Handwerker und Gewerbetreibende.

Und der Wandel geht weiter. Mit dem 2013 eingeleiteten Flurbereinigungsverfahren wird es zur Neuaufteilung der Dobbrikower Feldmark entlang des Pfefferfließes kommen.

Dass die Dobbrikower ein eigensinniges Völkchen sind, zeigt auch, dass Anfangs nicht alle von der Gemeindereform begeistert waren. Wer gibt schon gerne freiwillig seine jahrhundertlang ausgeübte Hoheit auf? 1993 fand sich Dobbrikow schließlich im Chor mit 22 anderen Dörfern in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal wider. Arno Schulze als erster Ortsvorsteher und später Renate Sommer haben sich bleibende Verdienste für das Wohl Dobbrikows erworben. Sie haben sich sehr engagiert für die Belange des Dorfes eingesetzt, insbesondere für neue Straßen und Radwege.

Der Aufbau Ost brachte in den 90er Jahren viele Investitionen ins Dorf, wir blicken dankbar auf den Straßenbau in der Mittel- und der Mühlenstraße sowie in der Nettgendorfer Straße aber auch an den Anschluss an die Abwasserleitung zurück. Auch privat wurden erhebliche Mittel in die Rekonstruktion und den Erhalt der Gebäudesubstanz gesteckt.

Zuletzt wurde viel über den Niedergang des ländlichen Raumes diskutiert, Stichworte „Schlafdörfer“, „Hinterland“ und demografischer Wandel. Einige Zugereiste träumten ausschließlich von Wildnis, Wasser und Wölfen. Soll das die neue Perspektive sein? Wahr ist, dass viele Dörfer überaltern werden und eine negative Bevölkerungsprognose haben. Nicht so Dobbrikow. Zwar gab es auch hier einen dramatischen Geburtenrückgang – doch guckt Euch heute den gut bevölkerten Spielplatz an! Dobbrikow ist fruchtbar und der Wettlauf um die Kita-Plätze ist in vollem Gange!

Dass Dobbrikow heute so lebendig ist, hat mehrere Gründe. Da ist an Erster Stelle das rege Vereinsleben der drei Dobbrikower Vereine zu nennen. Sie organisieren das gesellschaftliche Leben und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. Insbesondere der Feuerwehrverein hat sich große Verdienste bei der Ausrichtung vom Osterfeuer bis zum Oktoberfest erworben.  Gemeinsam mit dem Anglerverein wurden 2011 große Vereinsjubiläen gefeiert. Neue Sitten und Gebräuche wie das Aufstellen des Maibaumes oder das Anleuchten des Weihnachtsbaumes am Dorfanger wurden eingeführt. All das strahlt auf das gesamte Dorf aus. Auch der jüngste Spross in der Vereinslandschaft zeigt, dass in Dobbrikow und Umgebung wahre Patrioten leben, die sich in ihrer Freizeit für das Fortbestehen des Schullandheimes einsetzen. Ein Zeugnis des dörflichen Miteinanders ist auch die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Jagdgenossenschaft und Jagdpächtern unter der jahrelangen Leitung  von Arno Schulze und Horst Driefert. Insbesondere dem großen Einsatz von Jutta Achtel ist es zu danken, dass es Angebote für Senioren im Rahmen der Volkssolidarität gibt und die Seniorenweihnachtsfeier ein Höhepunkt im Jahreslauf ist.

Und damit wären wir schon beim nächsten Argument: die NEU-Dobbrikower integrieren sich und bereichern das Dorfleben. Kaum steht ein Hof zum Verkauf, vergehen nur wenige Wochen bis die Stelle neu besetzt ist. Mussten wir mit großem Bedauern das Ende der jahrhundertealten Gastronomie-Dynastie der Familien Zöschel bis Geier zur Kenntnis nehmen, stimmt uns der Neubeginn des „Hauses am Bauernsee“ der Familie Kleinlein hoffnungsvoll. Beispielhaft für eine gelungene Integration sind auch der PKW-Service Torsten Großmann, der Islandpferde Moorhof von Elisabeth Stenzel und „die Scheune“ mit Nicole Belusa.

Es sind in erster Linie die Zugezogenen, die noch den frischen Blick für die Schönheit unserer Heimat haben und sich für die Unversehrtheit unserer intakten Wälder gegen die bedrohliche Errichtung von 200 Windrädern im Herzen des Naturparkes einsetzen.

Seit eh und je zieht Dobbrikow wegen seiner attraktiven und einmaligen Landschaft die Menschen in seinen Bann. Wie dichtete doch bereits Pfarrer Heinrich Vogel: 

"Dobbrikow heißt schöne Au!

Wanderer merk es Dir genau:

Sieben See´n bei sieben Höhn -

Heimatland wie bist Du schön."

Das wissen nicht nur die Besucher des Campingplatzes zu schätzen. Jedem Besucher von Dobbrikow sollte auch künftig der Zugang zu den Ufern unserer herrlichen Seen möglich sein.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Bürgermeisterin, liebe Dobbrikower,

im November letzten Jahres begannen die Vorbereitungen für unsere Jubiläumsfeier. Der Termin stand schnell fest. Sie wurde in die Aktion „48-Stunden Nuthe-Nieplitz“ eingebettet, die an diesem Wochenende zum zweiten Mal stattfindet.

Es wurde ein Festkomitee gebildet, in dem rund 25 Bürger aktiv mitarbeiteten. Die erste

Zusammenkunft fand am 29. November 2013 statt. Sechs weitere Sitzungen folgten.

Für die Koordination der Vorbereitungen gab es ein Kernteam, welches aus den Vorsitzenden der drei Vereine Uwe Schlecht, Andre Jeserigk und Frank Knospe und den Schatzmeistern Carsten Driefert und Udo Schulze sowie dem Ortsvorsteher Holger Jeserigk bestand. Weiterhin gehörten zur Gruppe der Wehrführer Jürgen Driefert und natürlich der Spiritus rector Bernd Wendlandt.

Des Weiteren wurden 5 Arbeitsgruppen gebildet: Tafel sowie Kaffee und Kuchen (Angela Turley und Regina Driefert), Getränkeversorgung (Jürgen Driefert und Burkhardt Schladitz), Speiseversorgung (Dirk Schulze und Uwe Schlecht), Kinderbetreuung (Anette Hoffmann, Ehepaar Starke, Susanne Jeserigk, Carmen Schulze-Wolter) sowie Film und Technik (Frank Knospe und Bernd Wendlandt).

Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen wurden im Festkomitee vorgestellt und diskutiert.

Mit großer Freude können wir im Verlauf des heutigen Abends das Ergebnis einer besonderen Leistung präsentieren. Es war ja bekannt, dass in den Kellern und Archiven, insbesondere von Arno Schulze und Jürgen Driefert wahre Schätze lagern. Einer kleinen Gruppe unter Leitung von Frank Knospe ist es gelungen, diese Schätze in Form von alten Schmalbildfilmen und Dias zu heben und so aufzubereiten, dass wir heute die Prämiere des „Dobbrikow-Film“ erleben dürfen. Er ist insbesondere dem großen Einsatz und den guten Kontakten von Frank Knospe zu verdanken. Aber auch Guido Schulze und Andreas Hoffmann haben in stundenlanger Arbeit altes Bildmaterial digitalisiert. Frank hat sich in Vorbereitung mit Alteingesessenen getroffen und sich ausgetauscht. Vielleicht ist das der entscheidende Impuls, sich verstärkt der Chronikarbeit zu widmen.

Mein Dank und meine Anerkennung gilt all denen, die mit Fleiß und großem Einsatz seit vielen Monaten die Jubiläumsfeier planen, vorbereiten und gestalten.

Für die geleistete Arbeit möchte ich heute eine kleine Aufmerksamkeit überreichen. Ich bitte nach vorne:

Regina und Jürgen Driefert, Petra und Burkhardt Schladitz, Anette und Andreas Hoffmann, Regina und Horst Richter, Carmen Wolter-Schulze und Dirk Schulze, Doreen und Steffen Starke, Frank Knospe, Uwe Schlecht, Andrè Jeserigk, Guido Schulze, Carsten Driefert, Udo Schulze, Edda Fachini, Angela Turley, Jutta Achtel, Birgitt Bergemann, Susanne Jeserigk und Bernd Wendlandt.

Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, mich bei den vielen Spendern zu bedanken. Die großzügige Unterstützung erlaubt uns die Ausrichtung eines erlebnisreichen und durchaus an Höhepunkten reichen Festprogrammes an den kommenden beiden Tagen. Noch einmal danke ich ausdrücklich allen Spendern!

Die Feier ist nun wahrlich ein gebührender Anlass auf die zurückliegenden Jahre anzustoßen und  allen Bürgerinnen und Bürgern von Dobbrikow für ihre Heimatverbundenheit, ihren Optimismus und ihre Ausdauer bei der Lösung der vielen zweifelsohne anstehenden Probleme zu danken. Möge unserem schönen Dobbrikow und seinen Bürgerinnen und Bürgern frohe und glückliche Jahre beschieden sein. Und zum Jubiläumsfest 2014 wünsche ich allen Gästen frohe Stunden im Kreis der Dorfgemeinschaft.

Holger Jeserigk                                                              Dobbrikow, 27.Juni 2014

Ortsvorsteher